Trauer bei Hunden: Trauern Hunde um ihre Freunde? Wie Hunde den Verlust eines Artgenossen erleben
Wenn ein Hund aus einem Mehrhundehaushalt stirbt, beobachten Hundehalter:innen häufig, dass verbleibende Hunde Verhaltensveränderungen zeigt, etwa weniger Appetit, weniger Spielfreude oder erhöhte Ängstlichkeit. Dass derartige Veränderungen teilweise monatelang anhalten, deutet darauf hin, dass auch Hunde so etwas wie Trauer empfinden können. Jedoch bleibt unklar, ob Hunde den Tod und dessen Endgültigkeit wirklich verstehen. Erfahre im Blog, warum Tiere trauern, wie sich Trauer bei Hunden äußert und wie du deinem Hund helfen kannst, wenn er um einen verstorbenen Sozialpartner trauert!

"Vor vielen Jahren hatten wir einen kleinen Kater bekommen. Ich wusste, dass mein damaliger Hund Katzen mag, aber vorher hatten die Rahmenbedingungen nie gepasst. Der Kater war als Flaschenkind nur mit Hunden aufgewachsen, und die zwei waren schnell dicke Freunde. Wenige Monate später wurde der Kater direkt vor unserem Haus überfahren. Wir beerdigten ihn mit den Kindern im Garten. Der Hund war beim Abschied Nehmen und Beerdigen dabei. Abends suchte ich ihn.
Er saß – wie noch etliche Male in den folgenden Tagen – im Garten am Grab und schaute auf den kleinen Erdhügel mit Blumen...“
Obige Geschichte ist wirklich so passiert. Hat der Hund um seinen kleinen Freund über Tage hinweg getrauert? Es ist gut möglich. Auch wenn ein Hund aus einem Mehrhundehaushalt verstirbt, haben viele HundehalterInnen die Erfahrung gemacht, dass der überlebende Hund Anzeichen von Trauer zeigt und beispielsweise nicht mehr spielen möchte, nach dem verlorenen Familienmitglied sucht oder sogar plötzlich Ängste entwickelt.
In den letzten Jahrzehnten hat unser Verständnis des emotionalen Lebens von Tieren stark zugenommen. Verhaltensbiologische, physiologische und neurobiologische Forschungen weisen darauf hin, dass alle Säugetiere gewisse Basisemotionen empfinden. Auch Hunde und andere Tiere können angesichts einer Bedrohung Furcht empfinden, zornig und frustriert werden, wenn sie ihr Ziel nicht erreichen, Spaß im Spiel haben, mit Interesse ihre Umwelt erkunden, und eben auch Liebe und Fürsorge zeigen.
Das Gegenstück zu Liebe und Fürsorge ist Trennungsstress, oder beim Tod eines geliebten Lebewesens Trauer. Empfinden Tiere Trauer, wenn ein Gruppenmitglied verstirbt? Zu diesem Thema gibt es viele Berichte, aber nur relativ wenige Studien. Prädestiniert für Trauer sind Tierarten mit komplexen Sozialsystemen, bei denen die Tiere individuelle Bindungen miteinander eingehen. So gibt es beispielsweise zahlreiche Beobachtungen von Trauerverhalten bei Primaten, Delfinen, Elefanten und Giraffen.
Sozialer Beistand
Auch unsere Haushunde sind bekanntlich hochsozial. Studien haben nachgewiesen, dass in stressigen Situationen nicht nur die menschliche Bezugsperson, sondern auch die Anwesenheit eines vertrauten Artgenossen Stressanzeichen bei Haushunden vermindern kann. Egal ob in einer neuen Umgebung, beim Kennenlernen eines seltsamen neuen Objekts, oder in einer Bedrohungssituation, mit einem Kumpel lassen sich stressige Situationen besser überstehen.
Dabei zeigte eine Studie: Je besser die Beziehung zwischen den beiden Hunden (gemessen an der Häufigkeit freundschaftlicher Interaktionen im Alltag), desto besser fungiert der hündische Mitbewohner als „Stresspuffer“.
Positive soziale Interaktionen, beispielsweise gegenseitiges Belecken oder gemeinsames Spiel, führen zu einer Ausschüttung von Oxytocin und endogenen Opioiden – Botenstoffe, welche stressreduzierend wirken, Wohlbefinden fördern und Aggression hemmen. Es fühlt sich nicht nur gut an, soziale Beziehungen zu pflegen, sondern dies fördert auch die Kooperation und, falls notwendig, soziale Unterstützung (‚social support‘).

Es gibt wohl kaum etwas Schöneres, als ein harmonisches Zusammenleben zwischen zwei oder mehreren Hunden in der Familie, das durch gemeinsames Spiel und Spaß, Kooperation und gegenseitige Liebesbezeugungen geprägt ist. Gäbe es da nicht die Kehrseite der wunderbaren Gefühle von Liebe und Freundschaft: Wer eine Bindung zu einem anderen Lebewesen eingeht, vermisst dieses auch in seiner Abwesenheit.
Warum trauern Tiere?
Warum sollte sich (evolutionär gesehen) Trauer beim Tod eines Freundes oder Familienmitglieds entwickeln? Verhalten, das mit Trauer assoziiert ist, hat häufig negative Auswirkungen! Das Einstellen der Nahrungsaufnahme, Schlafstörungen oder sonstige depressive Verhaltensweisen haben keinen evolutionären Nutzen. Im Gegenteil: sie sind für Überleben und Fortpflanzung zweifellos ungünstig; in Einzelfällen scheint das überlebende Tier sogar „aus Gram“ selbst zu versterben.
Warum empfinden wir – und höchstwahrscheinlich andere Tiere – trotzdem Trauer? Die Antwort könnte darin liegen, dass nicht die Trauer selbst adaptiv ist, sondern die starken positiven Emotionen, die zwei Individuen zu Lebzeiten miteinander teilen und die Kooperation und gegenseitige Fürsorge fördern. Trauer ist also eventuell einfach eine „Nebenwirkung“ der starken Bindung zwischen zwei Lebewesen. Der Bindungspartner ist wichtig und wird folglich auch vermisst, wenn er nicht mehr lebt.
Neurobiologische Grundlagen von Emotionen wie Trauer
Die emotionale Grundlage für Trauer ist ein Netzwerk von Gehirnregionenen, die bei Jungtieren oder Kleinkindern aktiviert werden, wenn diese von ihrer Bezugsperson getrennt werden. Der Neurobiologe und Emotionsforscher Jaak Panksepp bezeichnet dieses Trennungsstress-System als PANIC- oder GRIEF System (Panksepp & Biven, 2012). Bei Trennungsstress sinken „Wohlfühl“-Botenstoffe im Gehirn wie endogene Opioide und Oxytocin ab, und diverse Stress-Botenstoffe nehmen zu.
Die Evolution hat dafür gesorgt, dass sich Tierjunge, die noch auf Fürsorge angewiesen sind, furchtbar fühlen, wenn sie alleine gelassen werden und dadurch alles tun, um wieder umsorgt zu werden. Ihre kläglichen Trennungsrufe rufen normalerweise die Mutter (oder ein anderes fürsorgliches Individuum) sofort auf den Plan und sichern dadurch das Überleben der Jungen.
Wenn die Tiere älter und selbstständig werden, wird das GRIEF System weniger sensibel, und erwachsene Tiere können Trennungen verkraften. Dennoch ist es das GRIEF System, welches auch aktiv ist, wenn Menschen Traurigkeit, Trauer oder Einsamkeit empfinden. Zusätzlich spielen beim Gefühl der Trauer aber auch noch weitere Hirnregionen, vor allem in der Großhirnrinde, dem am höchsten entwickelten Teil unseres Gehirns, eine Rolle.
Trauerreaktionen bei Hunden erkennen
Wir können in die Köpfe unserer Hunde nicht hineinschauen und sie zu ihren Gefühlen nicht befragen. Doch wir können ihr Verhalten und ihre Körpersprache beobachten und versuchen, daraus Schlussfolgerungen zu ziehen.
Für mögliche Rückschlüsse auf Trauer bei Tieren sollten der wissenschaftlichen Literatur zufolge die folgenden Voraussetzungen erfüllt sein:
Die Tiere verbringen mehr Zeit miteinander, als es für das Überleben unbedingt notwendig ist (à Bindung)
(Länger andauernde) Veränderungen im Verhalten der Überlebenden, wenn der Sozialpartner stirbt.
Das überlebende Tier verändert beispielsweise die Nahrungsaufnahme (Hungern oder „emotional eating“ – vermehrte Nahrungsaufnahme), den Schlafrhythmus oder emotionale Ausdrücke (die Körpersprache oder Gesichtsausdrücke wirken traurig). Um als Trauer angesehen zu werden, sollten Verhaltensänderungen in Reaktion auf den Tod eines Gruppenmitglieds langanhaltend sein und mindestens Stunden, eher tage-, oder wochenlang andauern.
Tierische Formen von Trauer müssen nicht ident mit den unsrigen sein, um mit starken negativen Emotionen bei Verlust eines Bindungspartners einherzugehen.

Wie merkt man, dass Hunde trauern?
In Fragebogenstudien haben viele HalterInnen angegeben, dass ihre Hunde nach dem Tod eines Artgenossen Verhalten zeigten, das auf Trauer hindeutet. Beispielsweise wurden ihre Hunde anhänglicher (manche suchten auch weniger Kontakt als zuvor). In einer Studie suchte fast ein Drittel der Hunde wiederholt den Lieblingsplatz des verstorbenen Hundefreundes auf. Viele Hunde verändern auch ihr Schlaf- und Fress-Verhalten sowie die Häufigkeit von Lautäußerungen. Kurz, Verhaltensveränderungen infolge des Todes eines hündischen Mitbewohners sind bei dem hinterbleibenden Hund häufig und mit Trauer vereinbar.
Dennoch müssen auch mögliche alternative Erklärungen bedacht werden. Es ist zum Beispiel möglich, dass die Hunde weniger auf den Verlust selbst, sondern mehr auf Veränderungen der täglichen Routine reagieren oder dass sie durch Verhaltensänderungen des trauernden Menschen gestresst sind. Wie kann man Hinweise darüber erhalten, welche Ursache den beobachteten Verhaltensveränderungen zugrunde liegt? Oder handelt es sich sogar nur um eine Interpretation eines „vermenschlichenden“ Menschen?
Die häufigsten Verhaltensveränderungen von Hunden nach dem Tod eines tierischen Familienmitglieds
Eine 2022 erschienene Studie hat versucht, diese Fragen zu beantworten, indem sie nicht nur Details zum Verhalten des überlebenden Hundes und der Beziehung zwischen den beiden Hunden gesammelt hat, sondern auch erfragt hat, welche Einstellung der/die HalterIn zu Tieren hat, wie eng er/sie sich an den verstorbenen Hund gebunden gefühlt hat, und wie er/sie selbst mit der Trauer umging.
Auch in dieser Studie zeigte der Großteil der Hunde (87%) nach dem Tod eines hündischen Mitbewohners Verhaltensveränderungen:
Aufmerksamkeit suchen ↑ 66%
Spielen ↓ 57%
Fressen ↓ 32%
Aktivität ↓ 46%
Schlaf ↑ 35%
Ängstlicher: 35%
Zwei Drittel der Hunde in der Stichprobe suchten vermehrt die Aufmerksamkeit ihrer Bezugsperson. Die Lust, zu spielen nahm bei 57% ab; 32% fraßen auch weniger. 46% waren weniger aktiv, 35% schliefen mehr. Ebenfalls 35% zeigten eine vermehrte Ängstlichkeit, bei 30% nahmen die Lautäußerungen zu.
So lange dauerten die Verhaltensveränderungen an:
29%: weniger als 2 Monate
33%: 2-6 Monate
25%: mehr als 6 Monate
13%: keine Änderungen
Bis die Hunde ganz zu ihrem alten Selbst zurückgekehrt waren, konnte es durchaus dauern: Bei knapp 30% waren die Verhaltensveränderungen weniger als zwei Monate lang merkbar. Rund ein Drittel der Hunde kehrte nach zwei bis sechs Monaten zum „Normalverhalten“ zurück. Bei etwa jedem vierten Hund dauerte das veränderte Verhalten jedoch mehr als sechs Monate an.
Weder Rasse noch Geschlecht, Kastrationsstatus oder das Alter des Verstorbenen stand im Zusammenhang mit der Dauer der Symptome.

Auf die Beziehung kommt es an!
Diese Verhaltensveränderungen sind also langanhaltend und erfüllen damit eines der Kriterien für Trauer. Ein weiteres Kriterium ist, dass die beiden Individuen vor dem Tod mehr Zeit zusammen verbringen, als es zum Überleben unbedingt notwendig wäre, was auf eine Bindung zwischen ihnen schließen lässt.
Um diesem wichtigen Kriterium Rechnung zu tragen, wurden die HalterInnen zur Beziehung der beiden Hunde untereinander befragt – ob das Verhältnis freundschaftlich, tolerant oder agonistisch (= von Auseinandersetzungen geprägt) war, oder ob es sich um Verwandte handelte.
Die stärksten Verhaltensveränderungen des überlebenden Hundes traten auf, wenn die Beziehung der beiden als freundschaftlich bezeichnet wurde oder wenn der hinterbliebene Hund Sohn/Tochter des verstorbenen Hundes war. Auch die Dauer, die die beiden Hunde zusammen gelebt hatten, hatte einen Einfluss auf einige der gemessenen Variablen (je länger, desto stärker veränderte sich das Verhalten des Überlebenden nach dem Tod des Sozialpartners). Durchschnittlich keine einzige der erfragten Verhaltenskategorien veränderte sich hingegen bei Hunden, deren Beziehung als „gegenseitige Toleranz“ oder sogar „agonistisch“ beschrieben wurde.
Dieses Ergebnis ist deshalb so wichtig, weil zu Recht immer hinterfragt wird, wie vertrauenswürdig Berichte der HalterInnen sind. Verhaltensveränderungen von Hunden nach dem Tod eines weiteren Hundes können unter anderem damit erklärt werden, dass sich die tägliche Routine verändert hat oder dass der verbliebene Hund auf die Trauer oder das veränderte Verhalten ihrer menschlichen Bezugsperson reagiert. Diese Faktoren sollten aber unabhängig von der Beziehung der Hunde untereinander sein.
Dass Verhaltensveränderungen ausschließlich jenen Hunden zugeschrieben wurden, die ein freundschaftliches oder Verwandschafts-Verhältnis hatten, ist also ein starker Hinweis darauf, dass jene Veränderungen tatsächlich durch emotionale Reaktionen auf den Verlust des Sozialpartners entstanden und nicht ausschließlich aufgrund der äußeren Umstände.

Trauer – alles Interpretation der HalterInnen?
Ein weiteres Argument lautet, dass die HalterInnen ihre Hunde ja nur vermenschlichen und vielleicht auch die eigene Trauer auf den Hund projizieren. Auch diesbezüglich war die Studie äußerst vorausschauend. Die AutorInnen baten die TeilnehmerInnen nämlich, neben den Fragen über die beiden Hunde auch noch weitere validierte Fragebögen auszufüllen, unter anderem einen Fragebogen zum eigenen Umgang mit dem Tod des Hundes (inwiefern sie Traurigkeit, Zorn oder Schuldgefühle empfanden).
Dabei gab es nur mit einer Verhaltensvariable des Hundes einen deutlichen Zusammenhang: Menschen, die stärker unter dem Verlust des verstorbenen Hundes litten, berichteten überdurchschnittlich häufig, dass ihre Hunde seit dem Todesfall ängstlicher waren als zuvor. Einen geringen Zusammenhang gab es auch mit der Komponente „Traurigkeit“ und einer Reduktion der Nahrungsaufnahme.
Alle anderen Verhaltensweisen, welche sich nach dem Tod des Kumpans verändert hatten (weniger Spielen, ein verringertes Aktivitätslevel, mehr Schlaf, mehr aufmerksamkeitssuchendes Verhalten und mehr Lautäußerungen) waren hingegen unbeeinflusst davon, wie der Mensch mit seiner Trauer umging. Die Bindung, welche der Mensch zum verstorbenen Hund empfunden hatte (auch hierfür gab es einen eigenen Fragebogen) stand überhaupt nicht im Zusammenhang mit Verhaltensveränderungen des überlebenden Hundes.
Der letzte Fragebogen beschäftigte sich mit der Frage, inwiefern die HalterInnen Menschen und nichtmenschliche Tiere als Kontinuum betrachten oder aber Menschen als einzigartig ansehen (dazu mussten etwa Aussagen bewertet werden wie „Menschen können denken; Tiere nicht“ oder „nur Menschen können spirituell sein“, „Menschen sind von niedereren Tieren evolviert“). Man könnte erwarten, dass Menschen, welche sich Tieren mehr verbunden fühlen, diesen auch mehr Gefühle wir Trauer zuschreiben. Dennoch gab es keinerlei Zusammenhang mit den berichteten Verhaltensveränderungen des überlebenden Hundes.
Diese fehlenden Zusammenhänge zwischen dem Verhalten der Hunde mit den Ansichten und Gefühlen der Befragten sind ein Indikator dafür, dass die beschriebenen Verhaltensveränderungen eben NICHT eine Voreingenommenheit der Halter widerspiegeln, sondern reale Veränderungen im Verhalten der Hunde beschreiben.
Ist es wichtig, dem zurückgebliebenen Hund den toten Körper zu zeigen?
Häufig wird empfohlen, den Hund seinen toten Artgenossen sehen zu lassen, um ihm zu zeigen, dass dieser verstorben ist und nicht wieder kommen wird. In zwei Studien (Ucchedu et al. 2022 und Walker et al. 2017) hatte die Möglichkeit, „Abschied zu nehmen“ jedoch keinen statistisch erkennbaren Effekt auf das Verhalten der überlebenden Hunde. Manche HalterInnen berichten auch, dass manche Hunde noch eine Zeitlang wiederholt nach dem Verstorbenen suchen, selbst wenn ihnen die Möglichkeit gegeben wurde, „sich zu verabschieden“. Im Zweifelsfall schadet es aber sicher nicht, dem Hund den Körper des Verstorbenen zu zeigen. Wer weiß, vielleicht nimmt es dem Hinterbliebenen ja doch eine gewisse Unsicherheit, weshalb sein Freund plötzlich weg ist.
So kannst Du Deinem Hund bei Trauer helfen
Neurobiologisch gesehen ist das GRIEF System die Grundlage für Trauer bei Tieren. Körperkontakt, sanfte Berührungen und positive soziale Interaktionen führen zur Ausschüttung von Oxytocin und endogenen Opioiden („Wohlfühl-Botenstoffe“). Diese tragen zur Hemmung des GRIEF Systems bei, lösen ein Gefühl von Vertrauen und Sicherheit aus und stärken die soziale Bindung. Streicheln und Kuscheln mit dem verbleibenden Hund ist folglich empfehlenswert – selbstverständlich nur, wenn dieser das auch genießt.
Die vertrauten Gerüche können ebenfalls tröstlich sein; es ist ratsam, beispielsweise Decken und Liegeplätze des verstorbenen Hundes noch eine Weile zu behalten.
Ablenkung kann helfen, etwa durch kleine und vor allem leicht zu bewältigende Aufgaben mit vielen Erfolgserlebnissen (z.B. Leckerlisuchen, Schnüffelteppich). Stressoren sollten in der Zeit nach dem Verlust so gut wie möglich minimiert werden, da Unsicherheiten oft vermehrt ausgeprägt sind. Daher ist es empfehlenswert, Spaziergänge an reizarme Orte zu verlegen und den Hunden viel Möglichkeit geben, zu schnüffeln.
Schnüffeln kann das Stresslevel senken und eine positive Stimmung fördern. Wichtig ist, für den Hund in unklaren Situationen oder bei vermeintlichen Bedrohungen ein verlässlicher Bindungspartner zu sein und ihm Unterstützung zu gewähren.
Alles, was Freude macht, ein besonderer Leckerbissen, spielen und gemeinsame Aufgaben bewältigen, ist förderlich. Möchte ein Hund hingegen nicht darauf eingehen, ist dies auch in Ordnung. Er wird es zeigen, wenn er wieder so weit ist. Dabei sollte man sich dessen bewusst sein, dass es sechs Monate oder länger dauern kann, bis der Hund den Tod seines Sozialpartners verkraftet hat.
Fazit
Viele Hunde zeigen nach dem Tod eines hündischen Familienmitglieds längerfristige Verhaltensveränderungen, sofern eine gute Beziehung zu dem Verstorbenen bestanden hat. Zwei wichtige wissenschaftliche Kriterien für Trauer werden damit erfüllt. Zudem ist das berichtete Ausmaß der Verhaltensveränderungen nur relativ gering durch Ansichten und Empfindungen der menschlichen Bezugsperson beeinflusst – Trauerverhalten bei Hunden ist mehr als die Interpretation ihrer HalterInnen.
Verstehen Hunde, dass der Tod endgültig ist? Dass ihr Freund nicht wieder aufwachen wird? Und dass sie ihn nie wieder sehen werden? Das wissen wir noch nicht. Doch wir können ziemlich eindeutig sagen, dass sie ihn vermissen.
Quellen:
Uccheddu S, Ronconi L, Albertini M, Coren S, Da Graça Pereira G, Haverbeke A, Pierantoni L, Riemer S, Testoni I & Pirrone F. (2022). Domestic dogs (Canis familiaris) grieve over the loss of a conspecific. Scientific reports, 12: 1290.
Walker J, Waran N & Phillips C (2016) Owners’ perceptions of their animal’s behavioural response to the loss of an animal companion. Animals 6, 68.
Bercovitch, F. B. (2020). A comparative perspective on the evolution of mammalian reactions to dead conspecifics. Primates, 61(1), 21-28.
Panksepp, J., & Biven, L. (2012). The archaeology of mind: neuroevolutionary origins of human emotions. WW Norton & Company.
King BJ (2016). Animal mourning: Précis of How animals grieve (King 2013). Animal Sentience, 1(4), 1.
Schultz JL, Antender PA, Zawistowski S (1996) Companion Animal Response to the Loss of an Animal Companion; The American Society for the Prevention of Cruelty to Animals: New York, USA.
·Cimarelli, G., Marshall-Pescini, S., Range, F., Berghänel, A., & Virányi, Z. (2021). Relationship quality affects social stress buffering in dogs and wolves. Animal Behaviour, 178, 127-140.

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